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Leishmaniose - ein Mitbringsel aus Mallorca

Leishmaniose aus Mallorca
© Dr. Robert Kasten

14.04.2018  |   Dr. med. Angelika Jetter

Kaum jemand vermutet, dass es auf Mallorca unfreiwillige Reisemitbringsel gibt, die Tropenerkrankungen sind und sich an der Haut äußern können. Die dort vorkommende Leishmaniose gehört sicherlich zu den Top 3 der Infektionskrankheiten nach Auslandsreisen.

 

Freuen Sie sich auch so sehr über die ersten Sonnenstrahlen? Es war ein langer Winter und der kalendarische Frühlingsanfang brachte uns zunächst klirrende Kälte. So ist es nicht verwunderlich dass viele Deutsche dem langen Winter entfliehen und schon im zeitigen Frühjahr auf der Oster-Insel Mallorca anzutreffen sind.  Der Flughafen Mallorca erwartete mehr als 460.000 Passagiere an den Ostertagen.

Kaum jemand vermutet, dass es auf dem 17. Bundesland der Deutschen unfreiwillige Reisemitbringsel gibt, die Tropenerkrankungen sind und sich an der Haut äußern können. Die dort vorkommende Leishmaniose gehört sicherlich zu den Top 3 der Infektionskrankheiten nach Auslandsreisen.

Die Leishmaniose (so genannte Orientbeule) kann sich als eine Art „nicht heilender Mückenstich“ darstellen. Man bemerkt zu Beginn ein kleines rötliches Knötchen, das an Größe zunimmt und sich schließlich zu einem Geschwür, einer offenen Wunde entwickeln kann. Die Erreger dringen, durch eine von der Sandmücke übertragene Stichreaktion, in die Haut ein. 

Grundsätzlich kommen Leishmanien in allen wärmeren Ländern vor, also auch in den Mittelmeerländern wie Spanien, Italien und Griechenland aber auch in den Tropen und Subtropen, die immer öfters Urlaubsziel vor allem in unseren winterlichen Monaten werden.

Je nach Abwehrlage und je nach Leishmanien-Spezies gibt es sehr unterschiedlich schwere Verläufe der Erkrankung. Allerdings bleibt die Infektion, insbesondere bei gutem Gesundheitszustand und bei den Leishmanien, die in den Mittelmeerländern verbreitet sind, zu 90% auf die Haut beschränkt. Die Hautveränderung tritt, da übertragen durch einen Stich, meist an unbedeckten Körperstellen auf. Die Dauer zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung kann Wochen bis Monate dauern.  Daher wird eine Hautveränderung erstmals oft nicht mit der zuvor stattgefundenen Reise in Zusammenhang gebracht. Am Ort des zuvor erfolgten Stichs bildet sich zunächst ein Knoten, welcher im Verlauf wächst, teilweise schmerzhaft ist oder sich entzünden kann. 

Im Verlauf kann die Läsion auch ohne Therapie, jedoch unter Narbenbildung abheilen. Je nach auslösende Leishmanien-Spezies und Lokalisation oder Ausprägung des Befundes stehen unterschiedliche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Zuvor erfolgt eine gründliche Untersuchung und Diagnostik.

Wann sollte an eine Leishmaiose gedacht werden?

Bei jedem Patienten, der sich in den letzten Wochen bis Monaten in einem Endemiegebiet aufgehalten hat und nicht heilende Haut- und/oder Schleimhautveränderungen aufweist, die länger als 3-4 Wochen bestehen. Als Hilfestellung für die Therapieentscheidung und zur Anpassung der Therapie an die verschiedenen klinischen Verlaufsformen wird grundsätzlich zwischen „einfachen“ und „komplexen“ Läsionen unterschieden.

Als „komplex“ wird eine Leishmaniose definiert, wenn sie sich unter anderem mit mindestens einem der folgenden Merkmale manifestiert:

·  mehr als 3 Läsionen

·  einer Einzelläsion von mehr als 40mm im Durchmesser

·  Läsionen an kosmetisch und funktionell heiklen Hautarealen wie z.B. im Gesicht, an den Händen, über Gelenken und in der Nähe von Haut-Schleimhaut-Übergängen

Dann sollte in jedem Fall eine Therapie mit Tabletten durchgeführt werden.  Für eine Lokalbehandlung (zum Beispiel Kältetherapie mit Flüssigstickstoff, Antimonpräparate, Hitzeanwendung) eignen sich einzeln stehende Läsionen der meisten Leishmanien-Spezies.